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16.05.2012

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Inland
EHEC Erreger (Foto: REUTERS/Manfred Rohde / HZI)
Spitzentreffen: Wie soll der Kampf gegen EHEC weitergehen?
Spitzentreffen in Berlin

Wie soll der Kampf gegen EHEC weitergehen?

Vertreter von Bund, Ländern und Gesundheitsbehörden sind in Berlin zu einem Spitzentreffen zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen im Kampf gegen den EHEC-Erreger zu beraten. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner hatte gestern betont, sie halte wegen der zahlreichen Erkrankungen an der Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Blattsalate und ungekochter Tomaten fest.

Auch der Chef des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger, mahnte: Menschen in Norddeutschland sollten nach wie vor Gemüse vor dem Verzehr erhitzen. Waschen des Gemüses allein biete keinen sicheren Schutz, sagte er im rbb-Hörfunk.

Erfolgsmeldung bei neuer Therapie

Bei der Anzahl der Erkrankten deutet sich in Hamburg eine leichte Entspannung an. Das Uniklinikum Eppendorf (UKE) erklärte, die Anzahl der neuen Durchfallerkrankungen sei deutlich zurückgegangen. Die Zahl der HUS-Patienten sei zudem stabil.

Im Kampf gegen EHEC meldeten Ärzte in Hannover zudem einen Erfolg: Eine neuartige Therapie mit einem Antikörper scheine nach ersten Einschätzungen erfolgreich zu sein, erklärte die Medizinische Hochschule Hannover. Seit Mittwoch wurden dort mehr als ein Dutzend Patienten mit dem neuen Medikament behandelt, das gegen akutes Nierenversagen wirken soll. Auch am Hamburger UKE werden Patienten mit dem Antikörper behandelt. Verlässliche Aussagen über einen Erfolg, seien aber erst in einigen Wochen möglich. Das Mittel ist ein Antikörper mit der Bezeichnung Eculizumab. Mehr dazu bei ndr.de

Eculizumab:

Der Antikörper Eculizumab ist seit 2007 zugelassen. Er greift in die zerstörerischen Immunreaktionen ein, die sich nach einer EHEC-Infektion abspielen. Eculizumab bindet sich an ein Protein, das unter anderem zur Zerstörung von Blutzellen führt.

Ein internationales Medizinerteam veöffentlichte in der vergangenen Woche einen ermutigenden Bericht: Man habe drei Kleinkinder erfolgreich mit Eculizumab behandelt, die sich 2009 mit dem EHEC-Erreger angesteckt und mit dem HUS gekämpft hätten. Die behandelten Kleinkinder hätten unter Nierenversagen und schweren neurologischen Störungen gelitten. Innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Infusion habe sich der Zustand erheblich verbessert. Sie hätten sich erholt und auch sechs Monate nach der Erkrankung keine Folgeschäden gezeigt.

Das Medikament wird derzeit in Deutschland auch bei Erwachsenen eingesetzt, unter anderem am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und der Medizinischen Hochschule Hannover.
 

Weitere Todesopfer in NRW und Mecklenburg-Vorpommern

Unterdessen führte EHEC zu weiteren Todesopfern: In Nordrhein-Westfalen starben eine 91-jährige und eine 47-jährige Frau. Außerdem erlag eine 87-Jährige in Mecklenburg-Vorpommern den Folgen der Erkrankung, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales mitteilte. Damit erhöhte sich die Zahl der in Deutschland im Zusammenhang mit EHEC verstorbenen Menschen auf 13.

Keime auf Gurken im Nordosten entdeckt

Die Quelle des Erregers ist jedoch weiter unbekannt. Nachdem an vier Salatgurken aus dem Hamburger Großmarkt das Bakterium nachgewiesen worden war, entdeckten Wissenschaftler nun auch in drei Proben von Gurken unterschiedlicher Herkunft in Mecklenburg-Vorpommern Hinweise auf den gefährlichen Darmkeim.

"Wir sind auf diese Gurken im Zusammenhang mit der Auswertung der Fragebögen von erkrankten Patienten gestoßen", sagte Verbraucherminister Till Backhaus. Insofern könne ein Zusammenhang mit der Erkrankung bestehen. Die Gurken seien im Einzelhandel und in Gaststätten sichergestellt worden.

Ob sie wirklich mit dem EHEC-Erreger belastet waren, kann laut Verbraucherschutzministerium erst durch weitere Untersuchungen festgestellt werden. Die Ergebnisse werden nicht vor Mitte nächster Woche erwartet.

Was bedeutet EHEC, HUS und O104?:

EHEC-Keime sind eine besonders gefährliche Form des Darmbakteriums Escherichia coli. Das natürliche Reservoir der Bakterien ist der Darm von Wiederkäuern, speziell von Rindern. Beim derzeit grassierenden EHEC-Erreger handelt es sich nach Laboruntersuchungen vermutlich um den E. coli Typ O104:H4. Die Keime werden durch Kontakt mit Tierkot, über kontaminierte Lebensmittel oder auch von Mensch zu Mensch übertragen.

Eine EHEC-Infektion führt zu Durchfällen, die auch blutig sein können. Weitere Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und zunehmende Bauchschmerzen. Bei besonders schweren Verläufen der Infektion kommt es zu einem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), das zu einer schweren Nierenstörung, neurologischen Schäden und sogar zum Tode führen kann.

Das Robert Koch-Institut hat seit Einführung der Meldepflicht 1998 in Deutschland jährlich rund 1000 EHEC-Erkrankungen und 60 HUS-Fälle registriert.
 

Tschechien nimmt verdächtige Gurken aus dem Regal

Derweil sind 120 aus Spanien kommende Bio-Gurken, die möglicherweise mit dem gefährlichen Darmerreger EHEC verseucht sind, in Tschechien aus den Regalen der Lebensmittelläden genommen worden. Nach Angaben der tschechischen Landwirtschafts- und Lebensmittelaufsicht gingen Gurken aus derselben Lieferung der spanischen Betriebe, die über deutsche Großhändler bezogen wurde, auch nach Österreich, Ungarn und Luxemburg.

Auch Österreich startete eine Rückrufaktion für die spanischen Gurken. Der Rückruf betreffe neben einer geringen Anzahl an Gurken auch Tomaten und Auberginen des spanischen Erzeugers Frunet, teilte die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit mit.

Dossier:

EHEC (Foto: dpa)
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Stand: 30.05.2011 16:43 Uhr
 

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